ICK GLOOB, BEI DIR PIEPT’S WOHL! ODER?
WAS DIE BERLINER SPATZEN SO VON DEN DÄCHERN PFEIFEN
In Berlin gibt’s nicht nur jede Menge schräger Vögel ohne Flügel, sondern auch eine unheimlich große Vielfalt an gefiederten Gesellen. Man mag es vielleicht kaum glauben, doch außer Spatzen gibt es noch zahlreiche andere Vogelarten, die ihren angeborenen Lebensraum verlassen haben, um in der Großstadt zu leben.
Solche Vögel, die sich ihren Lebensraum inmitten menschlicher Zivilisation suchen, nennt man Kulturfolger, d. h. diese Vögel haben sich in ihrem Verhalten der Kultur des Menschen angepasst. Welche das sind? Natürlich Spatzen, Schwalben und Sperlinge, Tauben und Krähen, aber auch Falken und sogar Störche. Sie wohnen nicht nur in bzw. an menschlichen Behausungen, sondern suchen auch ihre Nahrung inmitten von menschenüberfüllten Plätzen und können leider auch bei zu guten Lebensumständen zur Plage der Menschheit werden. Das war bisher aber in Berlin noch nie der Fall, denn aufgrund der vielfältigen Nist- und Nahrungsmöglichkeiten verteilt sich die Vogelwelt innerhalb Berlins schön gleichmäßig.
Und natürlich muss man auch sagen: die Berliner lieben ihre Vögel. Denn es ist jedes Mal eine Wohltat, wenn man anstelle von Autohupen oder Motorgebrumm einen schönen Vogelgesang vernimmt. Dies scheinen sogar die Nachtigallen zu wissen, denn nach der letzten Vogelzählung im letzten Sommer leben in Berlin mehr Nachtigallen als in Verona. Nachtigall, ick hör dir trapsen!
Und so ist der Berliner auch immer gern bereit, seine Stulle oder seine Currywurst mit den Spatzen zu teilen, sich über ihre freche Mutigkeit zu wundern, sich an ihren Streitigkeiten zu ergötzen und ihnen im Winter ein Vogelhäuschen mit Körnern zu füllen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Berliner Stadtvögel lange Zeit die einzigen waren, die Berlin als eine Stadt sehen konnten, die einzigen, denen ein ungehindertes Überqueren der Berliner Mauer erlaubt war. Also dann: betrachten wir die Stadt doch einmal aus der Vogelperspektive.